KI ist nur so gut wie Ihre Daten: Was 120.000 Unternehmen über KI-Readiness lehren

Aktualisiert: 4. Juni

Box-CEO Aaron Levie betreut 120.000 Unternehmen bei der KI-Transformation. Sein nüchternstes Fazit: Die meisten scheitern nicht an der KI. Sie scheitern an ihren eigenen Daten.
In einem Interview mit der WirtschaftsWoche beschreibt Levie, was er bei Tausenden Unternehmen beobachtet: Die KI-Tools werden besser, die Modelle leistungsfähiger, die Möglichkeiten größer. Aber der limitierende Faktor ist fast nie die Technologie. Es sind die Daten im Unternehmen – unstrukturiert, veraltet, über Dutzende Systeme verstreut, ohne einheitliche Benennung. Wer seine Kundendaten nicht im Griff hat, dem hilft auch die beste KI nicht.
Das ist eine Beobachtung, die sich direkt auf Marketing-Abteilungen im Mittelstand übertragen lässt. Die typische Situation: 5.000 Kontakte im CRM, aber 60 Prozent ohne aktuelle E-Mail-Adresse. Keine einheitliche Branchenzuordnung. Kein Aktivitätsverlauf. Drei verschiedene Excel-Listen neben dem CRM, weil 'das schneller geht'. Und dann die Erwartung, dass ein KI-Tool daraus personalisierte Kampagnen generiert oder qualifizierte Leads identifiziert. Das funktioniert nicht – nicht weil die KI schlecht ist, sondern weil der Rohstoff fehlt.
Vom Praktikanten zum Doktoranden – aber nur mit Material
Levie nutzt ein Bild, das die Entwicklung gut beschreibt. Vor zwei Jahren war KI wie ein Praktikant: Fünf Seiten lesen und eine Frage beantworten – das klappte. Hundert Seiten, mehrere Dokumente, komplexe Zusammenhänge – da zog der Praktikant die falsche Information heraus. Heute, sagt Levie, ist KI eher auf dem Niveau eines Doktoranden im ersten Jahr: Sie verarbeitet Hunderte von Dokumenten und liefert brauchbare Ergebnisse mit beeindruckender Genauigkeit. Aber auch ein Doktorand braucht vernünftiges Material. Wer ihm einen Karton mit unsortierten Zetteln hinstellt, bekommt auch von einem brillanten Kopf keine gute Analyse.
Für Marketing-Teams heißt das konkret: Bevor Sie in KI-Tools investieren, investieren Sie in Ihre Daten. CRM aufräumen. Kontakte deduplizieren. Branchen und Segmente einheitlich benennen. Content-Inventar erstellen. Analytics sauber einrichten. Das ist nicht glamourös, aber es ist die Voraussetzung dafür, dass KI im Marketing tatsächlich Wirkung zeigt – statt nur Kosten zu verursachen.
Die richtige Reihenfolge
Levie bringt es auf eine Formel: 'Wer etwas wirklich Intelligentes hat, das er nicht einbetten kann, dem nützt es auch nichts.' Die Reihenfolge ist also: erst Daten ordnen, dann Prozesse definieren, dann KI einsetzen. Nicht umgekehrt. Die meisten Mittelständler starten bei Schritt drei und wundern sich, warum die Ergebnisse enttäuschen.
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